St. Galler Bauer, 12. Februar 2021

 

 

Mit optimaler Mineralstoffversorgung das Leistungspotenzial von Mutterkühen ausnützen

 

Viele Mineralstoffe und Vitamine sind essenzielle Nährstoffe mit sehr spezifischen Funktionen. Sie werden nur in geringen Mengen benötigt. Eine Unterversorgung eines einzelnen Wirkstoffs kann jedoch zu beträchtlich tieferen Leistungen (z.B. Tageszunahmen, Fruchtbarkeit) führen, auch bei sonst optimal gefütterten Mutterkühen und Kälbern. Die ausreichende Versorgung mit Mineralstoffen auf der Weide stellt eine spezielle Herausforderung dar.


Mängel sind schwierig zu erkennen

Bei geringem Mangel an Mengen- und Spurenelementen treten oft noch keine offensichtlichen Symptome auf. Allerdings müssen trotzdem Minderleistungen von Kuh und Kalb verzeichnet werden. Zudem sind solche Tiere krankheitsanfälliger. Starke Mangelerscheinungen können zu Symptomen wie Weidetetanie, Anämie oder Ausbleichen des Haarkleids führen. Eine nicht abschliessende Zusammenstellung von Mangelerscheinungen und der verantwortlichen Mineralstoffe findet sich in der Tabelle:

Symptome eines Mangels

Verantwortliches Mengen-/Spurenelement

Krämpfe, Zittern, Festliegen (Weidetetanie)

Magnesium

Empfindliche Gelenke (u.a. geschwollene Sprunggelenke), steife Beine, aufgekrümmter Rücken (Kälber), schwache Knochen (Kühe)

Kalzium und Phosphor

Schlechte Fruchtbarkeit, tiefe Absetzgewichte (bei ausreichender Energie- und Eiweissversorgung)

Phosphor

Ausgeblichenes Haarkleid («Brillen» um die Augen)

Kupfer

Schlechte Zunahmen, krankheitsanfällig, Anämie

Eisen (nur Kälber) und Kupfer

Bei Kälbern steife Vorderbeine, teilweise eingeknickt bereits bei der Geburt, Lahmheit (Weissmuskelkrankheit), schlechter Saugreflex

Selen

Exzessives Speicheln, schuppiges Haarkleid

Zink

Hochträchtige Kühe

Eine Besonderheit ist die Versorgung von hochträchtigen Tieren in den letzten Wochen vor der Geburt. Während dieser Zeit muss nicht nur das Muttertier, sondern auch das heranwachsende Kalb optimal versorgt werden. Eine ungenügende Wirkstoff-Versorgung der Kuh während dieser Zeit wirkt sich direkt negativ auf die Gesundheit des Kalbes nach der Geburt aus. Dies auch daher, da die Wirkstoffversorgung der Kuh einen massgeblichen Einfluss auf die Kolostrumqualität hat.

Versorgung auf der Weide

Gerade bei Mutterkühen gestaltet sich die Mineralstoff-Versorgung auf der Weide als schwierig. Der Einsatz von Leckmassen hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Diese vermögen jedoch längst nicht alle Bedürfnisse zu decken. Sind sie meist Regen und Sonne ausgesetzt. Dies führt bei den empfindlichen Vitaminen zu Verlusten. Um die richtige Konsistenz zu erreichen, müssen Leckmassen mit Zusatzstoffen wie z.B. Melasse versetzt werden. Aus diesem Grund sind die Mengenelement-Gehalte tiefer als bei losem Mineralstoff. Und auch die Preise, gemessen an den Inhaltsstoffen, sind höher. Wichtig ist auch zu wissen, dass die Leckmassen den Bedarf an Viehsalz nicht decken und dieses separat ergänzt werden muss. Verschiedene Futtermittelfirmen haben Anstrengungen unternommen, um die Mutterkuhhalter zu unterstützen und ihnen eine gute Alternative zu den Leckmassen zu bieten. Als sehr praktisch hat sich hierbei ein runder Behälter erwiesen, der mit einer Gummimatte bedeckt ist. Der Mineralstoff wird vor Witterungseinflüssen geschützt und die Tiere lernen bereits nach kurzer Zeit, wie der Deckel zu heben ist. Mit diesem System kann die Wirkstoff-Versorgung dank dem Vorteil von Mineralstoffen gegenüber von Leckmassen deutlich verbessert werden.


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