Schweizer Bauer, 23. Januar 2021

 

Fütterung der Milchkuh im Winter rund um das Abkalben, Folge 3

 

Energiegeladen in die Laktation starten

 

Die Startphase bildet eine sehr heikle Phase im Laktationszyklus der Milchkuh. Die Kuh kommt aus der Galtzeit in der sie, bis auf die Tage kurz vor der Geburt, keine Milch produziert hat. Nun steigt die Milchproduktion innert kürzester Zeit mehr oder weniger von 0 auf 100. Dies stellt Landwirt/in und Kuh vor grosse Herausforderungen.


Auch wenn wir davon ausgehen, dass die Kuh in der vorherigen Laktation, sowie in der Galtzeit optimales Management und optimale Fütterung genossen hat, ist die Startphase eine anspruchsvolle Zeit. Durch den hohen Milchabfluss werden innert kürzester Zeit enorm viel Energie und Protein sowie grosse Mengen an Wirkstoffen benötigt. Während die Kuh vor der Kalbung für die eigene Erhaltung sowie das Wachstum des Kalbes Nähr- und Wirkstoffe aufnehmen musste, ist sie nun nach Wegfall der Trächtigkeit weiter für die Erhaltung und zusätzlich für die Herstellung von grossen Mengen des hochwertigen Produkts Milch zuständig. Der totale Energiebedarf wird dadurch innert kürzester Zeit gut verdoppelt. Bei Hochleistungskühen sogar mehr als verdreifacht. Ähnlich verhält es sich mit dem Proteinbedarf der Kuh. Hieran wird ersichtlich, wie enorm die Umstellung der fütterungsseitigen Ansprüche der Kuh ist.

Für uns als Landwirte gestaltet es sich schwierig, den Ansprüchen der Kuh in dieser Zeit gerecht zu werden. Denn neben dem plötzlich erhöhten Bedarf durchläuft

das Tier eine Fütterungsumstellung und das Volumen des Kalbes wird in ihrem Bauchraum frei. Dennoch ist es ihr aufgrund des zu geringen Pansenvolumens kaum möglich, genügend Futtervolumen aufzunehmen, um den erhöhten Bedarf zu decken. Meist wechselt sie zudem die Gruppe/den Stall und zu allem hin bedeutet die Kalbung an sich bereits Stress. Trotzdem muss ihr Stoffwechsel auf Hochtouren weiterlaufen, um das «System Kuh» aufrecht zu erhalten. Gerade der Stoffwechsel ist jedoch stark gefordert und dadurch gefährdet zu entgleisen.

Wie können wir nun die Kuh bestmöglich unterstützen? Bei all dem Stress und dem beinahe explodierenden Bedarf muss das primäre Ziel sein, den Energie- und Kalziumstoffwechsel der Kuh weiterhin am Laufen zu halten. Hierfür muss sie unter anderem möglichst viel Futter einpacken. Die Erreichung dieses Ziels ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Haben wir in der Galtphase einen hohen Verzehr erzielt und in den letzten zwei bis drei Wochen vor der Kalbung die Kuh an die Laktierenden-Ration angefüttert, so sind bereits erste gute Voraussetzungen geschaffen.

Während der Laktation erhalten die Kühe meist alle dieselbe Grundration. Bei den Startphasenkühen wird aufgrund des erhöhten Energiebedarfs oft Propylenglykol eingesetzt, um eine Ketose zu vermeiden. Der routinemässige Propylenglykol-Einsatz kann und soll jedoch in jedem Fall vermieden werden. Denn insbesondere bei hohen Mengen pro Gabe kann dies die Leber sehr stark belasten. Zudem wird der Verzehr damit häufig negativ beeinflusst. Um Kühe in der Startphase optimal zu unterstützen hat sich der Einsatz von Produkten mit Cholinchlorid, L-Carnitin und Niacin bewährt. Diese Produkte werden idealerweise bereits 2-3 Wochen vor der Kalbung bis zur bestätigten Trächtigkeit gefüttert. Die genannten Wirkstoffe stabilisieren den Energiestoffwechsel der Kuh in dieser anspruchsvollen Zeit vielfältig und schützen sie vor einer Ketose. So wird sie weiterhin gut fressen, was gleichzeitig auch das Risiko von Milchfieber reduziert. Dank der erhöhten Grundfutteraufnahme stehen der Kuh automatisch mehr Kalzium und Energie zur Verfügung. Zusätzlich kann die Kuh über die Kalbung mit oralen Kalzium-Gaben, z.B. mittels Gel-Kartuschen, unterstützt werden.


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