Schweizer Bauer, 16. Januar 2021

 

Fütterung der Milchkuh im Winter rund um das Abkalben, Folge 2

 

Die Phase der Geburtsvorbereitung und Geburt bei der Milchkuh

 

Der Zeitraum zwischen dem Trockenstellen, der Geburt bis ca. 3 Wochen nach der Geburt, stellt für die Kuh eine grosse Belastung dar. Mit einer angepassten Fütterung in dieser Periode wird der Grundstein für eine gute Gesundheit und eine höhere Leistung gelegt.


Die grösste Herausforderung ist die Bewältigung der negativen Energiebilanz um die Geburt. Untersuchungen haben gezeigt, dass während dieser Zeit 30 – 60 % der Kühe an einer subklinischen Ketose leiden, ca. 40 % der Kühe einen leicht- bis mittelgradigen Kalziummangel haben und bis zu 20 % eine Pansenazidose entwickeln.

Um eine problemlose Geburt sicher zu stellen, ist der Galtfütterung besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Ohne geeignete Massnahmen in der Phase ab dem Milcheinschuss bis zur Geburt ist das Risiko gross, dass die Kühe bereits vor der Geburt an einer Ketose erkranken oder nach der Geburt festliegen. Durch den Zusatz von Mengen- und Spurenelementen sowie Vitaminen kann dies verhindert werden. Wichtig ist ebenfalls das Anfüttern mit energiereichem Futter (6.3 – 6.7 MJ NEL/kg TS). Heute stehen dem Landwirt auch Produkte zur Verfügung, welche die Verdaulichkeit und die Energiemobilisation über die Geburt zu optimieren.

Empfohlen wird auch, dass die Ration am Ende der Trockenstellzeit bereits alle Bestandteile der Laktationsration enthalten sollte, damit sich die Mikroorganismen im Pansen an die veränderten

Futterkomponenten gewöhnen können. Eine abrupte Futterumstellung ist unbedingt zu vermeiden. Grosser Wert ist darauf zu legen, dass der Anteil an leicht löslichen Kohlehydraten (Stärke und wasserlösliche Kohlenhydrate) nicht zu hoch ist. Bei Kohlenhydratwerte über 280 g/kg TS droht eine Pansenazidose und es muss auf einen Pansenstabilisator zurückgegriffen werden. Bei den heutigen Dürrfuttermittel sind diese Werte rasch erreicht.

Für die Geburt sollte eine genügend grosse, sauber eingestreute Abkalbebox vorhanden sein. Auf die Hygiene bei der Geburt sollte geachtet werden (Arme mit Seife waschen, Gleitgel und desinfizierte Geburtshilfeinstrumente müssen bereitliegen).

Nach der Geburt sollte eine Nachuntersuchung erfolgen (Zweites Kalb, Verletzungen des Geburtsweges) und das Tier sollte beobachtet werden.

Folgende Massnahmen sollten bei einer frisch gekalbten Kuh getroffen werden:

  • Frisches, lauwarmes Wasser in grossvolumigem Gefäss zur freien Verfügung anbieten. Wenn möglich, mit Vitaminen, Mineralstoffen sowie Dextrose oder anderen löslichen Energieträgern anreichern.
  • Frisches Futter von bester Qualität anbieten
  • Kontrolle des Nachgeburtsabganges innert 12 Stunden
  • Überwachung der Mobilität der Kuh (Aufstehen, Beweglichkeit, Muskelzittern etc.)
  • Gewinnung, Kontrolle und Verabreichung des Erstgemelkes an das Kalb (4 Liter innert 6 Stunden)
  • Temperaturkontrolle, Kontrolle des Euters, regelmässiger Schalmtest und Überwachung der Milchleistung
  • Kontrolle der Futteraufnahme, der Wiederkautätigkeit, der Pansenfüllung und der Kotkonsistenz

Als mögliche weitere Kontrollen nach der Geburt bieten sich folgende Möglichkeiten an:

  • Kontrolle der Temperatur im Enddarm
  • Beurteilung des Scheidenausflusses
  • Kontrolle der Pansenfüllung mit der Faust

Die Messungen sollten immer mit den gleichen Instrumenten, zur gleichen Zeit und durch die gleiche Person gemacht werden, um die Resultate vergleichen zu können und rechtzeitig richtig zu handeln.


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