Schweizer Bauer, 9. Januar 2021

 

Fütterung der Milchkuh im Winter rund um das Abkalben, Folge 1

 

Was zeichnet eine optimale Galtkuhfütterung aus?

 

Bei den Galtkühen ist eine korrekte Grundfutterversorgung sowie eine passende Ergänzungsfütterung unabdingbar. Eine gezielte Fütterung kann Stoffwechselerkrankungen über die Geburt und zu Beginn der Laktation verhindern. Dem Kalb wird der Start ins Leben erleichtert und die Kuh startet besser in die Laktation.


Oft wird gesagt, der Gehalt an Nettoenergie Laktation (NEL-) und absorbierbarem Protein im Darm (APD) der Galtration soll nicht zu hoch sein und der Anteil an Trockensubstanz (TS) müsse erhöht werden. Doch was heisst das und wieso?

Wenn die Kühe nach der Laktation keine Milch mehr produzieren, fällt der Bedarf an Energie für die Produktion weg und die Energie wird für Erhaltung der Kuh bzw. für den Körperansatz des Kalbes verwendet. Der sinkende Bedarf sollte jedoch nicht mit einer geringeren Menge an Grundfutter ausgeglichen werden. Die Galtphase ist die Vorbereitung auf die Laktation, in welcher eine hohe Futteraufnahme sehr wichtig ist. Nur so kann sie den hohen Nährstoff-und Mineralstoffbedarf, der zur Milchbildung nötig ist, decken. Deshalb ist es wichtig, das Futter in der Galtphase so anzupassen, dass es den Kühen ad libitum zur Verfügung steht und dadurch das Pansenvolumen erhalten bleibt. Die Kühe sollten aber nicht verfetten. Dies gelingt, indem der TS-Gehalt in der Ration erhöht und die Menge an NEL und APD reduziert wird.  

Das Ende der Galtphase bildet die Transitphase. Sie bezeichnet die zwei bis drei Wochen vor und nach der Geburt. Sie dient der gezielten Vorbereitung auf die Geburt des Kalbes und die Laktation. In dieser Zeit sollte die Fütterung von der Galtration zur Laktationsration umgestellt werden. Dadurch ist der Pansen im

Geburtszeitpunkt optimal an die Laktationsration angepasst. Das braucht die Kuh auch, denn in der Phase rund um die Geburt ist der Nährstoffbedarf der Kühe um ein Vielfaches erhöht, während die Kuh in dieser Zeit weniger verzehrt. Die Ration kann zusätzlich mit Kraftfutter ergänzt werden. Der Richtwert von 2.5 kg Kraftfutter pro Kuh sollte jedoch bis ein paar Tage nach der Geburt nicht überschritten werden. So kann einer Pansenazidose vorgebeugt werden.

Mineralstoffe:

Es empfiehlt sich zusätzlich eine Mineralstoffmischung für Galtvieh einzusetzen. Ganz wichtig dabei ist, dass diese kein Kalzium enthält. Der Kuh fällt es so wesentlich leichter rund um die Geburt das Kalzium selbst zu mobilisieren, wenn es für die Milchproduktion gebraucht wird. Das ist sehr wichtig. Rein über die Grundration bekommt die Kuh zu Beginn der Laktation nicht genug Kalzium. Ein Liter Kolostrum benötigt rund die Hälfte des Kalzium, das im gesamten Blutplasma-Pool vorhanden ist.

Der Kalium- und der Magnesiumversorgung ist die notwendige Aufmerksamkeit beizumessen. Ein Überangebot an Kalium reduziert die Kalziumabsorption. Magnesium ist wichtig und sollte genügend vorhanden sein. Denn bei einem Magnesiummangel kann nur wenig Kalzium aus dem Knochen mobilisiert werden. Die Kalziumabsorption ist bei einem tiefen Mg-Spiegel reduziert.

Ebenfalls ist die Versorgung der Kuh mit Vitaminen und Spurenelementen sehr wichtig. Speziell die Versorgung mit Selen ist ein wichtiger Bestandteil der Fütterung in der Galtphase, denn Selen wird auch auf das heranwachsende Kalb übertragen und ist unter anderem verantwortlich für den Saugreflex des Kalbes. Dies ermöglicht dem Kalb, die Aufnahme von genügend Kolostrum.

Eine adäquate Grund- und Ergänzungsfutterversorgung ist das A und O. Es lohnt sich finanziell und ist motivierend, wenn Stoffwechselerkrankungen der Milchkuh vermieden werden und dem Kalb ein guter Start ins Leben ermöglicht wird.

Wichtige Punkte bei der Galtkuhfütterung:

  • hoher TS-Gehalt in der Galtration
  • reduzierter NEL- (ca. 4.8 MJ) und APD-Gehalt (ca. 90 g Rohprotein/kg TS)
  • hoher Futterverzehr mit ad libitum Fütterung
  • langsame Futterumstellung in der Transitphase
  • kein Calcium, wenig Kalium, genügend Magnesium und Spurenelemente (insbesondere Selen)