Schweizer Bauer, 6. Januar 2018

 

Die vier Phasen in der Jungviehaufzucht

Mineralstoffe sind bei Kälbern Pflicht

 

Die Leistungsbereitschaft einer Milchkuh definiert sich – neben den Aspekten Genetik, Management, Haltung und Fütterung – vorwiegend über die Versorgung des Jungtieres. Die Investition in die Kälber und Rinder lohnt sich.


Genauso wie bei Kindern auf eine bedarfsgerechte Ernährung geachtet wird, ist dies auch beim Jungvieh entscheidend. Jungviehaufzucht ist somit die Investitionsphase einer Kuh und wird bezüglich Wirkstoffversorgung in vier Phasen eingeteilt.

Tränkephase

Neben den Bedürfnissen an Energie und Eiweiss spielt in der Tränkephase vor allem die Versorgung mit Mineralstoffen und Vitaminen eine wichtige Rolle. In den ersten Lebenswochen wird die Ausprägung von Organen wie Leber, Herz und Lungen, aber auch das Eutergewebe und das zukünftige Immunsystem noch stark über die Ernährung beeinflusst. Mittels der sogenannten «metabolische Programmierung» kann der Tierhalter via Nährstoffversorgung auf die Ausprägung diverser genetischer Eigenschaften Einfluss nehmen. Umgekehrt verursachen Krankheiten (v.a. Lungenentzündung und Durchfall) in dieser Phase bleibende Schäden.

Da die Vollmilch nicht genügend Vitamine enthält, muss sie über ein Wirkstoffkonzentrat aufgewertet werden. Ebenfalls sind via Kälbertränke diejenigen Spurenelemente zu ergänzen, welche ein Kalb ursprünglich über das Fressen von Erde aufnahm. Ein gutes Wirkstoffkonzentrat enthält Eisen, Kupfer, Mangan, Zink und Selen, sowie die Vitamine A, D, E, alle B-Vitamine und β-Carotin. Ein solches

 

Wirkstoffkonzentrat darf keine Säuren enthalten! Die Verabreichung von Säuren führt zu einer unnatürlichen pH-Absenkung der Tränke und verschlechtert damit die Verwertung von Mineralien.

Abtränkphase

Während dem Abtränken verändert sich der Mineralstoffbedarf und die Mineralstoffversorgung ist entsprechend anzupassen. Mit der Aufnahme von Festfutter entwickelt sich der Pansen und die mikrobielle Verdauung in den Vormägen beginnt zu funktionieren. Nach einiger Zeit werden so z.B. die B-Vitamine über die Pansenmikroben hergestellt. Mineralstoffe für diese Phase enthalten vorzugsweise probiotische Stoffe wie Milchsäurebakterien, um die Darmflora besser zu entwickeln. Für das Wachstum der Körpermasse, insbesondere der Knochen, muss der Mineralstoff ein Ca:P-Verhältnis von 2.5:1 aufweisen.

Jungviehphase

In dieser Phase ist vor allem der genügenden Kalzium- und Phosphorversorgung Beachtung zu schenken und entsprechend ist ein Mineralstoff mit einem Ca:P-Verhältnis von mindestens 2:1 zu wählen. Ein ausgeglichener Mineralstoff, welcher auch beim Milchvieh eingesetzt wird, genügt in der Regel. Aber

Vorsicht: Bei Weidebeginn steigt der Bedarf an Vitamin E und Selen stark an – diese Stoffe sind temporär über ein Konzentrat zu ergänzen.

Geburtsvorbereitung

Die letzten zwei Monate der Trächtigkeit sind wiederum eine sehr heikle Phase in Bezug auf Leistung und Gesundheit der zukünftigen Milchkuh. Der Bedarf an Vitaminen und Spurenelemente erhöht sich durch die Entwicklung des Kalbes im Mutterleib und die einsetzende Milchproduktion stark. Um die bevorstehende Abkalbung und den Start in die erste Laktation bestmöglich vorzubereiten, muss der Mineralstoff in dieser Phase viel Magnesium und wenig Kalzium enthalten. Um all diesen Ansprüchen gerecht zu werden, ist vorzugsweise ein Mineralstoff für Galtkühe einzusetzten, welcher explizit auf die Geburtsvorbereitung ausgerichtet ist.

Über die gesamte Aufzuchtzeit ist den Aufzuchttieren pro Tag 5 – 30 g Viehsalz anzubieten.

Markus Burkard, Leiter Verkauf, Multiforsa AG


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